Berlin Bike Snake

BERLIN TALES 26.04.2014

Im Computerspielklassiker „Snake“ geht es um eine Schlange, die durch ein Labyrinth geführt werden will und dabei immer länger wird. Das Prinzip der „critical mass“ ist ein ganz ähnliches: Eine Schlange von unzähligen Fahrradfahrern kurvt durch die Berliner Innenstadt und gewinnt dabei an immer mehr Masse – bis der Autoverkehr weitesgehend zum Erliegen kommt. Die Bewegung critical mass kommt ursprünglich aus San Francisco. Seit 1992 treffen sich hier Radfahrer  scheinbar zufällig und unorganisiert zu gemeinsamen Fahrten, um  auf die Belange und Rechte gegenüber dem motorisierten Individualverkehr aufmerksam zu machen. Nach Deutschland kam die Bewegung im Jahr 1997. Bei uns machen sich die Freunde der Radverkehrs dabei einen Paragraphen aus der Straßenverkehrsordnung zu nutze: Mehr als 15 Radfahrer, die eine erkennbar zusammengehörige Gruppe bilden, können nach § 27 StVO einen geschlossenen Verband bilden. Dieser Verband gilt wie ein einzelnes Fahrzeug, darf eine komplette Fahrspur in Anspruch nehmen und kann in einem Zug über eine Kreuzung mit Ampel fahren, auch wenn die Ampel zwischenzeitlich auf Rot umschaltet.

Kritische Masse mit viel Spaßpotential

Kritische Masse mit viel Spaßpotential

Am vergangenem Freitag waren es einige Tausend Radfahraktivisten, die sich um 20 Uhr zur nächtlichen Berlin-Fahrt am Kreuzberger Heinrichplatz getroffen hatten. Unter lautem Gehupe und Protest der blockierten Autofahrer ging es auf eine dreistündige Tour durch die halbe Berliner Innenstadt – unter anderem vorbei am Hermannplatz, der Tempelhofer Freiheit, dem Potsdamer Platz, der Siegessäule und schlussendlich dem Kurfürstendamm. Zwischenzeitlich wuchs die radelnde Masse auf eine Länge von weit mehr als einem Kilometer – es dauerte bis zu einer halben Stunde, bis eine Straße wieder „frei“ für den Autoverkehr war.

Freie Fahrt für Fahrräder, nicht für Autos

Freie Fahrt für Fahrräder, nicht für Autos

Es handelt sich bei der critical mass um keine Demo. Es treffen sich einfach (sehr viele) Fahrradfahrer zur gemeinsamen Fahrt. Alles bleibt friedlich und lässt sich nicht durch aggressive Autofahrer provozieren. Der Verkehr wird nicht absichtlich gestört, es geht nur darum, sich als unmotorisierter Verkehrsteilnehmer ein Stück öffentlichen Lebensraumes zeitweilig zurückzuerobern. Entsprechend gab es an diesem Freitag keine Transparente und keine Durchsagen, auch die Polizei lies sich erst blicken, als die Innenstadt eine einziges Fahrradmeer wurde – und auch nur, um die Autos fernzuhalten. Und so konnte man am letzten Freitag über Stunden bei schönstem nächtlichen Frühlingswetter ohne Beachtung von roten Ampeln mitten auf der Straße mit vielen Gleichgesinnten und viel Musik Berlin neu erfahren – selten machte eine Demo, die gar keine Demo ist, so viel Spaß!

Siegespose zum Schluss: critical mass am Kurfürstendamm

Siegespose zum Schluss: critical mass am Kurfürstendamm

Alle Termine des zweimal im Monat stattfindenden Events in Berlin findest Du hier:
http://www.critical-mass-berlin.de

CRITICAL MASS GALERIE

  1. dazydee

    Selbst als überzeugter Fahrbahnradler finde ich eine halbe Stunde schon etwas sehr grenzwertig und ein Ausnutzen der Verbandsregel.

    Wenn man sich schon auf den §27 beruft, sollte man sich auch ganz dran halten: „(2) Geschlossene Verbände, Leichenzüge und Prozessionen müssen, wenn ihre Länge dies erfordert, in angemessenen Abständen Zwischenräume für den übrigen Verkehr frei lassen; an anderen Stellen darf dieser sie nicht unterbrechen. “

    Wäre doch auch nett: Immer ein paar Autos zwischen eine ein paar dutzend Fahrrädern. Miteinander fördern und so….

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    1. Lasse

      haha, dazydee – Sicherheit in Gefahr, was?
      Das es für solch außergewöhnliche Aktionen noch kein Antragsformular gibt..

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