75 Days of New Zealand // Episode 4

Scenic Tales 09.02.2017

Auf der Märchenroute ins Paradies

Nachdem ich mir in der letzten Woche Christchurch, jene Stadt mit tragischer Geschichte und verwüsteter Innenstadt, angeschaut habe, lautet mein neues Ziel nun Glenorchy im Südwesten der Südinsel Neuseelands. Knapp 550 Kilometer trennen die beiden Orte, eine Strecke also, die man locker in einem halben Tag bewältigen könnte. Aber hier, im fernen Paradies, dauert so eine Fahrt fast zwei Wochen – denn es gibt einfach so viel zu entdecken links und rechts der malerischen und eher mit deutschen Bundesstraßen vergleichbaren Highways, auf denen es im gemütlichen Tempo durch eine märchenhafte Landschaft geht. Für alle Erkundungen habe ich seit Christchurch Lady Estima an meiner Seite, eine fast 20 Jahre alten japanischen Campervandame mit Beulen, Charme und gutem Durst. Wir mögen uns. Nicht nur, dass mir die Gute eine rollende Heimat bietet, ich kann auch mit ihr den Touristen-Hotspots entgehen, denn alleine ist man in Neuseeland nur selten, man spricht hier chinesisch, japanisch oder bayerisch. Aber während sich direkt vor den TripAdvisor-Spots die Massen nur so stapeln, ist es ein paar Kilometer weiter menschenleer. Und so lasse ich mich treiben von den Bilderwelten, campe mal hier und mal da und schaffe es manchmal noch nicht einmal, einen Kilometer ohne drei Staun-Stopps zu bewältigen.


Mein erstes Ziel ist der Lake Tekapo, einer der größten Seen Neuseelands, weltberühmt für seine schimmernd-grüne Farbe und mit prägenden Bergen im Hintergrund, die oftmals bis weit an die Gipfel bewaldet sind und stets im faszinierenden Farbenspiel mit der Sonne stehen.

Nach dem grünen See kommt der große Berg. Über den Aoraki Mount Cook, mit 3724 Metern Neuseelands höchster Erhebung, heißt es nach der Legende der Maoris: Kurz vor Dunedin an der Ostküste strandete ein Kanu namens Araiteuru. Eine Gruppe von Überlebenden machte sich auf den Weg ins Landesinnere. Aoraki war einer davon, ein kleiner Junge, der gerne auf den Schultern seines Großvaters saß. Als die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne die Gruppe erreichte, erstarrte diese zu Stein und der Großvater mit Aoraki auf den Schultern wurde zum höchsten Gipfel des Landes. Die Einwanderer im 19. Jahrhundert waren da weniger kreativ und benannten den Berg nach dem ersten Europäer auf neuseeländischem Boden, James Cook. Heute trägt er beide Titel: Aoraki Mount Cook … und wieder wurde mein Weg guterdings aufgehalten.
Weiter geht es nach Wanaka, einem beschaulichen Ort ca. 200 Kilometer weiter südwestlich, welcher See und Berg auf beste Weise zu verbinden weiß. Da ist einmal der Lake Wanaka, fast so groß und grün wie der Lake Tekapo, mit verträumter Aura und geradezu tropischer Umrahmung, rauschend wie das Meer…  und mit einer Schaukel direkt am Ufer. Selbige sollte ich die nächsten Tage öfters aufsuchen.


Ein paar Kilometer außerhalb von Wanaka steht wiederum der Mount Roy, auch Roys Peak genannt, immerhin 1581 Meter hoch und mit Wanderwegen zwar strapaziös, aber ungefährlich zu besteigen. Als Dankeschön für diese Mühen bekomme ich eine Aussicht, die direkt aus einem Fantasyfilm stammen könnte. Nie zuvor sah ich so eine Landschaft, die so rauh, mysteriös und wild daherkommt und dabei gleichzeitig so grün und einladend wirkt.

Nach soviel Natur ist jetzt erstmal wieder urbanes Leben angesagt. Nach ca. einer Stunde Fahrt (dieses Mal bin ich wirklich mal durchgefahren) erreiche ich Queenstown, Partyhauptstadt der Südinsel, Mekka der Backpacker und Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Eine wunderschöne Promenade zum Lake Wakatipu gibt es hier, außerdem wirklich gute Pizza und Burger und viele Angebote zum Nervenkitzeln wie Bungee-Jumping oder Skydive. Umgeben ist die Stadt von dichtbewaldeten Hügeln, die bei Regen spektakuläre Nebelschwaden über die Stadt verbreiten und hinten denen sich die ausgiebigen Skigebiete Neuseelands erstrecken. Was aber auch gesagt werden muss: Es ist hier im eh schon arg in den Geldbeutel gehende Neuseeland noch einmal extra teuer und zum Abend hin erinnert der Ort an eine Mischung aus St. Moritz und RAW-Gelände, was nur bedingt als Kompliment zu verstehen ist. Was sich hingegen lohnt: Der Aufstieg auf den Queenstown Hill mit Blick auf das die schöne Stadt auf der einen Seite und die wie immer magische Berglandschaft Neuseelands auf der anderen. Und der Blick ist sogar kostenlos!

Ich bekomme wieder Lust auf Naturwelten und diese beginnen direkt vor den Toren Queenstowns. Der Schlußpunkt meiner ersten Etappe auf der Südinsel heißt Glenorchy, aber um dorthin zu kommen, müssen zuerst noch die letzten 46 Kilometer gefahren werden. Und diese haben es wirklich in sich. Direkt zwischen dem Lake Wakatipu und tropischen Hügeln schlängelt sich der Highway 6a so malerisch dahin, dass in diesem Fall wirklich der Weg das Ziel ist. Auch wenn es in Neuseeland noch viel mehr Scenic Routes gibt – mit diesem Highway konnte es bisher noch keine Straße aufnehmen, so schön ist sie.


Auf der szenischsten aller Straßen komme ich endlich ins Paradies. Beziehungsweise ins Gateway zu selbigen. Glenorchy erstmal eine alte Goldgräberstadt, die heutzutage als Ausgangspunkt für Wanderungen, Bootstouren und Rundflügen dient. Und dabei ist es ein unglaublich charmantes Örtchen, das den Geist von Twin Peaks versprüht und das ich erstmal, Paradies hin oder her, gar nicht verlassen möchte. Heaven can wait. Fortsetzung folgt…


Beste App, um stets die besten Camping-Orte, die nächste Tankstelle oder freies Wifi zu finden: Campermate

Bester Soundtrack für Neuseelands Straßen: Doob & Janoma im Treibsand

 (Zum Vergrößern / Galerie auf die Fotos klicken)

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